© Foto: Pixabay / FelixMittermeier
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Fasten – Verzicht, der befreit

Im Frühling erwacht die Natur aus ihrem Winterschlaf und auch wir Menschen spüren neue Energie, erfreuen uns an den ersten Blumen und warmen Sonnenstrahlen. Es zieht uns nach draußen: Wandern, Walken, Radfahren, Inline-Skates fahren. Aktivität steht wieder auf der Tagesordnung, und der Frühling ist auch immer ein beliebter Zeitpunkt, um eine Fastenkur zu beginnen.

Bevor sich jemand für eine Fastenkur entscheidet, sollte er sich darüber im Klaren sein, dass Fasten nicht gleichzusetzen ist mit einer Diät. Beim Fasten verzichtet man auf Nahrung und die Pfunde auf der Waage werden täglich weniger, doch das Traumgewicht spielt eine untergeordnete Rolle. Ziel des Fastens ist vielmehr, dem Körper eine Pause zu gönnen, eine Pause von dem Überfluss an Essen, um ihm damit die Chance zu geben, einen »Hausputz« zu starten. Alles zu entsorgen, was nicht mehr gebraucht wird, Giftstoffe auszuscheiden, Altlasten zu verbrennen. Aus Erfahrung weiß sicher jeder, wie frei und gelöst man sich fühlt, wenn Keller oder Dachgeschoss entrümpelt wurden – um beim Bild des »Hausputzes« zu bleiben.

Fasten kann man auf ganz unterschiedliche Weisen

Suppenfasten, Fasten mit Milch und Semmeln, Fasten mit Obst und Gemüse. Weit verbreitet ist das Heilfasten nach Otto Buchinger (1878–1966). Bei dieser Methode steht nur flüssige Nahrung in Form von einer leichten Gemüsebrühe oder verdünnte Obst- und Gemüsesäfte auf dem Speiseplan. Auch ein Löffel Honig ist erlaubt. Zeitabschnitte von fünf, sieben oder zehn Tagen haben sich etabliert. Eine neue Bewegung ist das intermittierende Fasten, auf das wir später noch einmal gesondert eingehen.

Wer jetzt Lust hat, das Fasten einfach mal für fünf Tage auszuprobieren, kann eigentlich fast sofort loslegen. Folgende Voraussetzungen müssen allerdings gegeben sein: Die Person muss gesund sein und sollte keine Medikamente einnehmen. Bei Unsicherheiten ist es hilfreich, mit dem Hausarzt über die Fastenaktion zu sprechen. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren sollten nicht fasten. Bevor die Fastenkur beginnt, ist es notwendig, den Körper auf die Phase des Essenentzugs vorzubereiten. Der Fastende sollte daher zwei Tage vor dem eigentlichen Beginn der Kur weniger essen als normal und die Nahrung auf leicht Verdauliches, möglichst vegetarische Kost, umstellen. Auch wenn die Fastenkur beendet ist, sollte der Fastende sich langsam wieder der festen Nahrung zuwenden mit einem Apfel, einer Kartoffel oder einer Suppe. Trinken ist während allen Fastentagen wichtig, am besten Wasser oder Kräutertees. Wer länger fasten will, sollte dies nur unter ärztlicher Aufsicht tun.

Die schwierige Phase

Beim ersten Versuch, auf Essen zu verzichten, schwingen oftmals Bedenken, wenn nicht gar Angst, mit. Doch die ersten Stunden fallen meist gar nicht so schwer. Im Durchschnitt kommt die schwierige Phase nach zwei bis drei Tagen: Viele klagen über Kopfschmerzen oder leichte Übelkeit – Fastenkrise nennen die Experten diesen Zustand. Den gilt es zu überwinden, denn danach berichten viele Fastende über einen regelrechten Glückszustand. »Ich faste nun schon seit mehreren Jahren. Wenn ich meinen Tiefpunkt überwunden habe, wache ich morgens auf und könnte Bäume ausreißen. Ich schaue in den Spiegel, meine Haut wirkt so frisch, ich fühle mich wie in einen Jungbrunnen gefallen«, berichtet Barbara Messer (55) von ihren Erfahrungen. Zusammen mit ihrer Freundin Julia Boidol (51) fastet sie regelmäßig einmal im Jahr. »Wenn man eine Fastenkur durchzieht, ist das für das Selbstbewusstsein unheimlich gut. Da ist dann der Gedanke: Wenn ich es geschafft habe, fünf Tage nichts zu essen, schaffe ich alles, was ich mir vornehme«, ergänzt Julia Boidol.

Auszeit vom Alltag

Viele Fastenwillige nehmen sich für die Tage ohne Essen eine Auszeit vom Alltag. Sei es eine Woche Urlaub zu Hause, ein Aufenthalt in einer Fastenklinik oder die Teilnahme an einer Fastenwanderung. Unter welchen äußeren Bedingungen die Fastenkur durchgeführt wird, muss jeder für sich entscheiden. Fastenarzt Ruediger Dahlke empfiehlt, bei einer Fastenkur eine Auszeit vom Alltag und den Gewohnheiten zu nehmen. Denn das Fasten führt im übertragenen Sinne dazu, »dass wir unser dickes Fell verlieren«. Als Fastender wird man sensibler, reagiert empfindlicher, und da kann ein geschützter Rahmen sehr hilfreich sein. Das Fasten fällt oftmals auch leichter, wenn die Versuchungen minimiert werden und mittags nicht der Duft des Kaffees vom Schreibtisch des Kollegen hinüberweht oder das leckere Brötchen auf dem Teller zum Reinbeißen einlädt.

Körperlich und geistig

Das Abgrenzen vom Alltag kann noch einen Schritt weitergehen: Viele Fastende haben die Erfahrung gemacht, dass der Verzicht auf Nahrung ein Prozess ist, der nicht nur auf körperlicher, sondern auch auf einer geistigen Ebene ablaufen kann. Wer auf die Ganzheitlichkeit setzt, tut gut daran, sich während seiner Fastentage Ruhe und Entspannung zu gönnen. Spaziergänge in der Natur, der Verzicht auf Fernsehen und SmartPhone können helfen, sich auf seine Gedanken zu fokussieren, Ballast abzuwerfen und den Geist vor der sonst herrschenden Reizüberflutung zu schützen.

Andere Formen des Fastens

Wer aber nun doch zurückschreckt vor einer mehrtägigen Fastenkur, kann seinem Körper auch mit einer anderen Form des Fastens etwas Gutes tun: dem sogenannten intermittierenden Fasten. Diese Art des Fastens lässt sich ohne große Probleme in den Alltag einbauen. Ziel ist es, in einer Zeitspanne von mindestens 12 bis 16 Stunden auf Essen zu verzichten. Durch den Nahrungsverzicht wird im Körper der Prozess der Autophagie, ein essentieller Prozess für die Reinigung und Erneuerung der Zellen, angeregt. Der Bio-Physiker Thomas Finkenstädt erklärt in einem Interview mit der Rheinischen Post diesen Vorgang: »Damit die Zelle in Fastenzeiten Energie produzieren kann, nimmt sie alte oder defekte Bestandteile aus sich selbst und verbrennt sie. Das Resultat: Der Körper beginnt sich selbst zu reinigen und zwar rundum bis hin zu den Nervenzellen im Gehirn. Nach wie vielen Stunden genau die Autophagie anspringt, ist nicht gesichert. Es sind vermutlich acht, zehn oder zwölf Stunden. Richtig ist aber, dass regelmäßige Fastenzeiten helfen. Weshalb übrigens auch Sport gut ist. Denn dabei werden die Zellen in einen Nährstoffmangel versetzt, also auch in eine Art Fastenzeit, was wiederum die Autophagie auslöst. Deshalb sollte man auch bis zu zwei Stunden nach dem Sport nichts essen.« Aufgrund dieser Erkenntnisse gehen Fastenexperten
davon aus, dass die Empfehlung, mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt zu sich zu nehmen, nicht die optimale Ernährungsform für den menschlichen Körper ist.

Fasten als Herausforderung

Für welche Form des Fastens sich jemand entscheidet, es ist eine Herausforderung, in einer Welt, in der alles verfügbar ist, auch einmal zu verzichten. Aber gerade der Verzicht bereichert den Erfahrungsschatz und macht dem Einzelnen deutlich, wie viel bzw. wie wenig er wirklich zum Leben benötigt. Es kann auch ein Weg sein, wieder ein gesundes Gefühl dafür zu bekommen, wann wir wirklich Hunger haben und wann wir es einfach nur mit Gelüsten oder gar Langweile zu tun haben. Und wer nach den Fastentagen das erste Mal wieder etwas isst, wird feststellen, dass er für den Verzicht belohnt wird: Der Duft eines Apfels und der Biss in das Fruchtfleisch werden zum unvergesslichen Erlebnis.

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Auch wenn die Fastenkur beendet ist, sollte der Fastende sich langsam wieder der festen Nahrung zuwenden mit einem Apfel, einer Kartoffel oder einer Suppe.
Tipps zum Thema »Fasten«

Buchtipps

  • Dr. Andreas Buchinger / Buchinger Heilfasten: Mein 7-Tage Programm für zu Hause, TRIAS Verlag, €14,99
  • Ruediger Dahlke / Kurzzeitfasten: Mit Esspausen gesünder, länger und schlanker leben, Südwest Verlag, €17,-

 

Die richtige Fastenklinik finden
Auf der Homepage der Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung e.V. sind Fastenkliniken sowie erfahrene Ärzte und Therapeuten aufgeführt.
Weitere Informationen:

Telefon: 07551/8070
 
Fastenwanderungen

Die Kombination aus Fasten und Wandern erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Informationen finden Sie auf www.fastenwandern.org und www.fasten-wander-zentrale.de

zum Thema: Gesundheit