Christoph Brech, Torso del Belvedere, Sala delle Muse, 2015 © Christoph Brech
Christoph Brech, Torso del Belvedere, Sala delle Muse, 2015 © Christoph Brech

Der andere Blick auf Rom

Umfangreiche Werkschau des bedeutenden Foto- und Videokünstlers Christoph Brech in Paderborner Ausstellung „WUNDER ROMs“ zu sehen

PADERBORN. „Als Künstler in Rom zu sein ist eine Herausforderung. Man ist ständig mit einer Überfülle von erhabener Kunst und Architektur konfrontiert, wohlgemerkt alles aus vergangenen Jahrhunderten, Jahrtausenden“, resümiert Christoph Brech, einer der wichtigsten deutschen Foto- und Videokünstler der Gegenwart. Und doch ist es Brech gelungen, die überbordenden Sinneseindrücke, denen jeder Rom-Besucher ausgesetzt ist, in konzentriertes Sehen umzuwandeln und seine Wahrnehmung auch für das nicht zusammengehörige Ganze zu schärfen. Während seiner mehrjährigen Rom-Aufenthalte hat er die Ewige Stadt aus einem neuen, ganz eigenen Blickwinkel fotografisch erforscht. Herausgekommen sind außergewöhnliche Foto- und Videoarbeiten, die das Flüchtige mit dem Ewigen verbinden und so einzigartige Einblicke in die verborgene Seele der Stadt offenbaren. Rund 40 meist großformatige, zwischen 2006 und 2016 entstandene Werke des Künstlers sind aktuell in der großen kunst- und kulturhistorischen Ausstellung „WUNDER ROMs im Blick des Nordens – von der Antike bis zur Gegenwart“ zu sehen, die noch bis zum 13. August im Diözesanmuseum Paderborn gezeigt wird.

Bereits 2006 kam Christoph Brech, der zunächst an der Akademie der Bildenden Künste in München Malerei studiert hatte und sich nachfolgend dem Medium Fotografie und Film widmete, als Stipendiat der Villa Massimo nach Rom. In dieser Zeit entstanden erste wichtige Videoarbeiten und Aufnahmen. Sein feiner, äußerst sensibler Blick auf die unterschiedlichsten Facetten der Stadt durchzieht sein gesamtes römisches Werk. Einer der Höhepunkte seiner künstlerischen Auseinandersetzung mit der Ewigen Stadt ist die grandiose Bildserie, die zwischen 2010 und 2013 in den Vatikanischen Museen entstand. Über drei Jahre hinweg war es Brech gestattet hier zu jeder Zeit völlig frei zu fotografieren – auch an Orten, die für das Publikum unzugänglich sind. Wie zufällig fängt er in seinen Bildern nicht Zusammengehöriges fotografisch ein, verknüpft Momenthaftes mit Beständigem, und eröffnet somit auch einen neuen Zugang zu den Antiken und zu den Räumen des Vatikans – etwa wenn, wie in einer seiner Arbeiten, der berühmte Torso von Belvedere als Sinnbild des Ewigen und Erhabenen von der Flüchtigkeit vorbeiziehender Tourismusströme umspült wird.

„Es waren die Arbeiten von Christoph Brech, die für uns Impuls und Inspirationsquelle für die Beschäftigung mit den ‚Wundern Roms‘ waren“, erläutert Prof. Dr. Christoph Stiegemann, Direktor des Diözesanmuseums Paderborn. Daher ist es für uns ein Geschenk, dass wir als Abschluss und Höhepunkt unserer aktuellen „WUNDER ROMs“-Ausstellung herausragende Werke aus der Rom-Serie des mehrfach ausgezeichneten Foto- und Videokünstlers zeigen dürfen. Sie führen am Ende des Ausstellungsrundgangs den Besuchern den zeitgenössischen Blick auf die Ewige Stadt vor Augen. Viele Motive, die dem Betrachter in den Ausstellungsabteilungen zuvor begegnet sind, werden im fotografischen Werk Brechs unter einem ganz neuen Blickwinkel noch einmal aufgerufen – etwa die charismatischen Antiken, wie der Torso Belvedere, oder auch Goethes Ballerina“, so Stiegemann weiter.

Begleitend zur Werkschau Brechs im Diözesanmuseum präsentiert die Bank für Kirche und Caritas in Paderborn unter dem Titel „MORE ROME“ noch bis zum 1. Juni aktuelle Arbeiten des Foto- und Videokünstlers zu den zeitgenössischen Wundern Roms in ihren Schaufenstern.

 

Christoph Brech zu Gast im Diözesanmuseum Paderborn

6. Juli 2017, 19 Uhr
Deutsche in der „Hauptstadt der Welt“ – Bildende Kunst trifft Musik
Christoph Brech trifft zwei Rom-erfahrene Musikwissenschaftlerinnen zum Dialog:
Dr. Sabine Ehrmann-Herfort, Leiterin der Musikgeschichtlichen Abteilung des Deutschen Historischen Instituts in Rom, und Prof. Dr. Sabine Meine, Professorin am Musikwissenschaftlichen Seminar der Universität Paderborn/Hochschule für Musik Detmold. Gemeinsam gehen die Drei auf Spurensuche in Rom, nehmen Bezug auf Exponate der Ausstellung und bringen musikalische Impressionen ein.

Weitere Informationen: www.wunder-roms.de/event/deutsche-in-der-hauptstadt-der-welt

zum Thema: Kultur