Reliquiar aus der päpstlichen Kapelle „Sancta Sanctorum“ am Lateran Konstantinopel, 610-641, © Archivio Fotografico dei Musei Vaticani
© Archivio Fotografico dei Musei Vaticani

WUNDER ROMs im Blick des Nordens

Rom: Sehnsuchtsort, Pilgerziel, Inspirationsquelle für Philosophen, Literaten und Künstler! Seit Jahrtausenden ist die Anziehungskraft dieser Stadt – allem Wandel zum Trotz – ungebrochen. Die große Sonderausstellung im Diözesanmuseum Paderborn WUNDER ROMs im Blick des Nordens – Von der Antike bis zur Gegenwart (31.3.–13.8.2017) lädt ein, den schier unverwüstlichen Mythos der ewigen und heiligen Stadt zu erkunden. Die Ausstellung nimmt die Besucher mit auf eine einzigartige Reise durch die Zeit und folgt dabei den Spuren bedeutender Rom-Reisender.

Warum strömen seit fast zwei Jahrtausenden jährlich Millionen von Pilgern in die Heilige Stadt? Warum betont Johann Wolfgang von Goethe: „Ich kann sagen, dass ich nur in Rom empfunden habe, was eigentlich ein Mensch sei“? Und warum wird der berühmte Psychoanalytiker C.G. Jung allein beim Gedanken an diesen „glühenden Brandherd alter Kulturen“ ohnmächtig? Diesen Fragen spürt die Ausstellung anhand antiker Meisterwerke und sakraler Schätze aus den Beständen der Museen des Vatikans und der Kapitolinischen Museen nach. Gemeinsam mit diesen charismatischen Zeugnissen jahrtausendealter römischer Kultur sind wertvolle mittelalterliche Manuskripte zu sehen, Schatzkunst und Architekturfragmente sowie Skizzen, Zeichnungen, Graphiken, Skulpturen und Fotografien bedeutender Künstler des Nordens. Sie stammen aus renommierten Museen und Bibliotheken in ganz Europa.

Heilige Stätten und das „Raunen der Ruinen“

Die Ausstellung beginnt aus der Perspektive eines Romreisenden des Mittelalters. Die Stadt war damals vor allem Pilgerziel, man interessierte sich für Märtyrergräber und heilige Stätten. Zunehmend kamen aber auch Menschen, um die antiken Wunder zu bestaunen. Sie fanden ein „Rom in Ruinen“ vor, denn zur Zeit der Völkerwanderungen hatten Barbarenhorden das einstige „Haupt der Welt“ geplündert; die Millionenmetropole war auf die Größe eines Dorfes geschrumpft. Paläste, Thermen, Ratsgebäude, Tempel und Skulpturen verfielen. Doch gerade diese Fragmente einstiger Größe zogen die Rom-Besucher der damaligen Zeit in ihren Bann.

Antike Größe und frühe Graffiti

Eines dieser faszinierenden Relikte ist die monumentale Marmorhand Konstantins des Großen, die von einer kolossalen Sitzstatue des Kaisers aus dem frühen 4. Jahrhundert stammt. In Deutschland ist die Hand erstmals im Original zu sehen und beeindruckt allein mit ihrer Höhe von 1,70 m.

Ein ehrwürdiges Objekt, das die Geschicke des antik-ewigen und des christlich-heiligen Roms in sich vereint, ist die Bronzekugel, die einst den Obelisken krönte, der sich heute im Zentrum des Petersplatzes erhebt. Als „Nadel des heiligen Petrus“ war der Obelisk seit dem Mittelalter das Ziel zahlreicher Pilger. Gelehrte Rom-Reisende berichteten, Julius‘ Caesar sei just an dieser Stelle sein naher Tod vorhergesagt worden, und die Kugel enthalte die Asche des Herrschers – was sich jedoch später nicht bestätigte.

Zu den erlesensten Ausstellungsstücken zählen kostbare Reliquiare aus der „Sancta Sanctorum“, der Papstkapelle am Lateran. Auch mittelalterliche Pilgerführer, Reste von Graffiti, mit denen sich die frommen Suchenden an den Wänden der Märtyrergräber verewigten oder Amulettkapseln, in denen sie Andenken an die Heiligen Roms mit nach Hause trugen, werden zu sehen sein.

Kunstideal und Verklärung

Seit der Zeit von Renaissance und Barock gehörten die Antiken zum Inbegriff des Kunstideals. Sie übten eine geradezu magische Anziehungskraft auf die Künstler des Nordens aus und prägten lange das Studium an den Kunstakademien in Nordeuropa. In der Ausstellung wird dies durch Werke bedeutender Maler wie Maarten van Heemskerk, Hendrick Goltzius oder Peter Paul Rubens auf eindrückliche Weise belegt. Auch für die beginnenden Altertumswissenschaften war Rom bevorzugter Studienort, was frühe gelehrte Kompendien und Dokumentationen der antiken Zeugnisse zeigen.

Im 17. und 18. Jahrhundert wurden die Relikte des Altertums zunehmend zum Gegenstand verklärender künstlerischer Imagination, beispielhaft erfahrbar u.a. an Werken von Angelika Kauffmann, William Turner oder Hubert Robert. Ins Zentrum historischer und archäologischer Betrachtung rückte die Antike im 18. Jahrhundert, als u.a. Johann Joachim Winckelmann seine bahnbrechende „Geschichte der Kunst des Altertums“ schrieb. Diesem Aspekt widmet die Ausstellung eine eigene kleine Einheit.

In seiner „Italienischen Reise“ – die Erstausgabe ist in der Ausstellung zu sehen – schwärmt Goethe vom Glanz der Kunstwerke in der Stadt am Tiber. Unsterblich verliebte er sich in die Statue einer antiken Nymphe, die zu besitzen ihm nicht vergönnt war. Wehmütig besuchte der Dichter die anmutige Figur in den Vatikanischen Museen. Zur Ausstellung kommt die sogenannte „Ballerina di Goethe“ nach Paderborn.

Realismus, Fotografie und Interpretation

Mit dem Beginn des Realismus im 19. Jahrhundert wurde der Blick auf die Antiken sachlicher und führte schließlich zu Formen künstlerischer Dekonstruktion. Vor allem die dokumentarische Fotografie verändert die Wahrnehmung. In der Ausstellung zeigen das beeindruckende Arbeiten fotografischer Pioniere wie James Anderson und Robert Turnbull Macpherson. Die letzte Abteilung gehört den Werken des Münchener Foto- und Videokünstlers Christoph Brech. Seine Arbeiten waren für das Diözesanmuseum Impuls und Inspirationsquelle für die Beschäftigung mit den „Wundern Roms“. In einer grandiosen Bildserie (2015) interpretiert er die vatikanischen Sammlungen durch eigene künstlerische Schöpfungen neu. Wie zufällig fängt er in diesen Arbeiten nicht Zusammengehöriges fotografisch ein und ermöglicht so einen neuen Zugang zu den Antiken und auch zu den Räumen des Vatikans.

Ein umfangreiches museumspädagogisches Programm sowie ein reich bebilderter Katalog werden das Thema der Ausstellung einem breiteren Publikum nahebringen.

Mit „Wunder Roms“ zeigt das Diözesanmuseum Paderborn – nach Credound Caritaserneut eine große Sonderausstellung mit bedeutenden, teils erstmals in Deutschland gezeigten Exponaten aus renommierten internationalen Museen und Sammlungen.

Die Schirmherrschaft haben Gianfranco Kardinal Ravasi, Präsident des päpstlichen Rates für Kultur, und Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien, übernommen.

www.wunder-roms.de

zum Thema: Kultur