© Fördergemeinschaft Gutes Hören
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Abhilfe bei Hörminderung

Stimmengewirr. Alles verwischt sich zu einem Brei, den nur noch Wort- und Satzfetzen durchdringen. Der Unterhaltung zu folgen, ist unmöglich. Der Mensch schaltet innerlich ab, verliert den Anschluss. Er ist einsam, mitten unter Menschen. – Hörverlust beginnt meist schleichend.

Das Gehirn ist lange Zeit in der Lage, Lücken zu füllen und Defizite zu überspielen, sodass sich viele Menschen dem Thema Hörminderung oder Schwerhörigkeit erst spät stellen. Dabei sorgt ein rechtzeitiger Besuch beim Ohrenarzt und dem Hörakustiker nicht nur für mehr Lebensqualität, sondern kann auch dabei helfen, weiterem oder vollständigem Hörverlust entgegenzuwirken.

Hörprobleme sind keine Frage des Alters. Zahlreiche internationale Studien belegen, dass auch immer mehr junge Menschen, vom Teenageralter bis zu den frühen 40ern, unter Schwierigkeiten mit dem Gehör leiden. Das Spektrum reicht von dauernden Ohrgeräuschen (Tinnitus) über einen Teilverlust bei bestimmten Frequenzen bis zur Schwerhörigkeit. Und am Ende droht die Taubheit.

Die Ursachen für Hörminderung und Schwerhörigkeit sind vielfältig, haben aber oft eine ähnliche Wurzel: die permanente Überforderung und Überlastung der Hörnerven und Sinneszellen. Längst ist es zum Alltagsbild auf Straßen, in Straßenbahnen oder auch zu Hause geworden, dass Menschen mit einem Kopfhörer auf dem Kopf oder einem „In-Ear“-Kopfhörer direkt im Ohr unterwegs sind. Und das oft stundenlang. Musik hören, Radio, TV oder Filme über Handy oder Tablet auch unterwegs konsumieren und per „Headset“ – das Handy lässig in der Hand – die Telefonate erledigen: das alles ist Dauerstress fürs Gehör.

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Dazu kommt überlaute Musik in Clubs und Rock-Konzerten. Hier treffen innerhalb kurzer Zeit Schallwellen im hohen Dezibelbereich auf das Ohr – und sorgen dafür, dass man bei einem Anderthalb-Stunden-Konzert schonmal die Hörbelastung einer ganzen Woche erreicht. Hörschäden sind laut der Fördergemeinschaft Gutes Hören (FGH) ab 85 Dezibel möglich, wenn man diesem Lärm eine Woche lang ausgesetzt ist. Im Rockkonzert oder in den Clubs (Discos) werden oft 100 bis 110 Dezibel erreicht. „Bei 100 Dezibel ist nach etwa 80 Minuten die zulässige Schallbelastung für eine Woche erreicht, bei 110 Dezibel nach knapp zehn Minuten“, so die FGH.

Auch wenn mittlerweile die Veranstaltungstechnik, etwa im Konzertbereich, stark verbessert worden ist, bleibt die Belastung für das Gehör hoch. Und nicht überall kann sich der Besucher darauf verlassen, dass der Veranstalter für eine geringstmögliche Belastung sorgt. Daher sollte ein guter Gehörschutz selbstverständlich zur Konzertausstattung gehören und auch beim Gang in den Club nicht fehlen.

Auf den Musikgenuss muss dabei niemand verzichten. Hörakustiker bieten gerade für Musikfreunde individuell, nach Maß gefertigten Gehörschutz mit Filtern an. „Dieser Filter dämpft alle Frequenzen gleichmäßig und bringt daher unverzerrten, natürlichen Klang“, so die FGH. „Eine gute Lösung, die man seinem Gehör zuliebe nutzen sollte.“ Ansonsten sollte man mindestens Schaumstoff- oder Silikon-Ohrstöpsel dabei haben, die den Schall ebenfalls dämpfen. Gesetzlich vorgeschrieben ist eine Mindestschalldämmung um zehn Dezibel. Das entspricht meist einer Halbierung der Schallpegel, so Stiftung Warentest im Rahmen eines Tests von Ohrstöpseln.

Doch auch wer nicht ins Konzert oder den Club geht, sollte die Belastung für seine Ohren so gering wie möglich halten. Straßenlärm, Baulärm in der Nachbarschaft, Fluglärm, Radio und Fernsehen, die ganz normalen Alltagsgeräusche – alles ist einzeln für sich und erst recht im Zusammenspiel eine Belastung für die Ohren. Es ist daher wichtig, sich bewusst immer wieder Lärmpausen zu nehmen und die Ohren in der Stille zu entlasten und zu entspannen – und das nicht nur nachts im Schlaf. Ein Waldspaziergang, bewusste und regelmäßige Zeiten der Stille, ein Leseabend ohne Musikberieselung – all das entlastet zum Beispiel die Ohren und hilft ihnen, sich zu regenerieren.

Bei Lärmbelastung geraten die Sinneshärchen, die den Schall übertragen, zu stark in Bewegung. Die Wirkung ist vergleichbar mit einem Sturm, der über ein Kornfeld fegt und die Ähren plattdrückt. Die Härchen kleben zusammen und lassen immer weniger Schall durch. Bei extremem Lärm können die Sinneshärchen auch abbrechen – sie wachsen aber nicht nach.

Hörprobleme kündigen sich nicht immer durch Dauergeräusche wie Klingeln in den Ohren oder akute Schmerzen an. Meist beginnt der Hörverlust eher schleichend. Weil viele Menschen Hörprobleme mit dem Alter assoziieren, schieben sie das Problem gerne von sich und finden Ausreden, warum sie etwas nicht verstanden haben. Der andere redet zu leise und undeutlich, ein Bus fuhr gerade vorbei und war extrem laut, man ist nur müde oder gestresst oder…oder…oder… Damit tut man sich aber keinen Gefallen, denn unbehandelt droht auf lange Sicht der vollständige Hörverlust, die Taubheit. Dann wird die Isolation noch größer als „nur“ durch schlechtes Hören, das einen aus fröhlichen Runden schnell ausschließt. Nicht zu sprechen von dem Verlust, die Stimmen der Lieben, die Vögel oder die geliebte Musik nicht mehr hören zu können.

Wichtig ist nicht nur ein frühzeitiger, sondern auch ein regelmäßiger Besuch beim Ohrenarzt oder Hörakustiker. Hier kann man im Hörtest ermitteln, wie es um das eigene Gehör bestellt ist – und rechtzeitig eingreifen, wenn das Hörvermögen nachlässt oder es akute Probleme gibt.

Angst vor Hörgeräten braucht niemand haben. Zum einen sind diese heute technisch so ausgefeilt, dass sie sich leicht bedienen lassen. Und sie sind meist so klein, dass sie Außenstehenden gar nicht auffallen. Manche lassen sich auch in eine Brille integrieren. Es gibt Geräte, die man im Ohr trägt, und Geräte, die man hinter dem Ohr trägt. Gemeinsam mit dem Fachmann finden Sie heraus, was für Sie am besten passt.

Weitere Informationen unter: www.fgh-info.de

zum Thema: Gesundheit