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Das Radio ist sein einziger Freund ... Augustine (6) aus Uganda hat Grauen Star und ist fast blind

Augustine (6) ist blind durch Grauen Star. Jeden Tag läuft er zu dem alten Kofferradio, das vor der Lehmhütte seiner Großmutter hängt. Er wartet auf seinen einzigen und besten Freund: den Radiomoderator ...

Fast zärtlich legt Augustine eine Hand auf das Radio, das am Pfosten vor der Hütte seiner Großmutter befestigt ist, und lauscht den Tönen aus dem Lautsprecher. Er wartet auf seinen einzigen »Freund«, dessen Stimme er jeden Tag hört: Den Radiomoderator, der denselben Namen trägt wie er. Wenn er ihn hört, ist er glücklich. Denn Musik und Töne sind alles, was das Leben des blinden Jungen aus Uganda bereichert. Und die Sonne, in die er sein Gesicht hält. Deren wärmende Strahlen er spürt … Ansonsten hat Augustine nicht viel zu lachen in seinem Leben: Der Sechsjährige ist blind durch angeborenen Grauen Star.

Augustine bleibt alleine zurück

Noch nie hat er seine Geschwister gesehen. Noch nie seine Mutter, an deren Hand er meistens unterwegs ist. Drei Geschwister hat der kleine Junge – doch die gehen tagsüber längst ihre eigenen Wege: Sie gehen zur Schule, spielen nachmittags Fußball oder treffen sich mit ihren Freunden. All das kann Augustine nicht. Jeder Tag beginnt für ihn daher mit einem kleinen Drama, erzählt seine Großmutter Deborah (61): »Wenn seine Mutter morgens zur Arbeit geht und seine Geschwister zur Schule, fängt er jedes Mal an zu weinen. ‚Warum kann ich nicht zur Schule gehen?’«

»Er ist so hilflos!«

Doch das ist unmöglich: »Er sieht ja nichtmal, was der Lehrer an die Tafel schreibt«, sagt seine Mutter Annet: »Warum sollte er dann zur Schule gehen – außerdem ist der Weg dorthin viel zu gefährlich. « Schon so hat Annet jeden Tag Angst um ihren Jungen, zum Beispiel, wenn er mit seinen Geschwistern zum Wasserholen geht: »Sobald die anderen Kinder vergessen, auf ihn aufzupassen, ist er verloren«, sorgt sich seine Mutter: »Wie leicht könnte er in den Fluss fallen und ertrinken und keiner bemerkt es.« Studien zufolge sterben in Entwicklungsländern bis zu 80 Prozent der blinden Kinder, bevor sie das Erwachsenenalter erreichen. Zuviele Gefahren lauern auf ein blindes Kind: Der Straßenverkehr, offene Feuerstellen, unbefestigte Straßen, Schlangen …

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Augustines größter Traum ist es, einmal mit den anderen Kindern Fußball zu spielen: Doch die haben daran kein Interesse. Er steht ihnen nur im Weg herum. Früher haben sie ihm sogar Spitznamen wie »Schielauge« hinterher gerufen, aber da hat die Großmutter eingegriffen: »Ich habe mit den Kindern ein ernstes Wort geredet, danach haben sie aufgehört, ihn zu verspotten«, berichtet Deborah. Aber alleine ist Augustine trotzdem. Ein Schatten liegt auf der Zukunft Tag für Tag sitzt er bei seiner Großmutter vor der Hütte aus Lehm und Stroh und hört Radio. Wenn Musik gespielt wird, tanzt er sogar ein bißchen. In dem kleinen Innenhof fühlt er sich sicher. Doch will er sein Zuhause verlassen, muss er an der Hand geführt werden. »Ich mache mir große Sorgen um seine Zukunft«, klagt Mutter Annet: »Er wird immer auf andere angewiesen sein.« Von ihrem Ehemann kann Annet keine Unterstützung erwarten: Er hat die Familie verlassen – viele Väter in Afrika tun das, wenn ein behindertes Kind in der Familie lebt.

 

INFO

Die Christoffel-Blindenmission Deutschland e. V. ist eine internationale Entwicklungsorganisation, die sich seit mehr als 100 Jahren dafür einsetzt, den Kreislauf aus Armut und Behinderung in den ärmsten Regionen der Erde zu durchbrechen. Mehr als 500.000 Spenderinnen und Spender sorgen jedes Jahr dafür, dass blinde Menschen am Grauen Star operiert werden können oder Menschen mit Behinderungen Bildung oder rehabilitative Hilfe erhalten.

Im vergangenen Jahr konnte so rund 39 Millionen Menschen in Entwicklungsländern geholfen werden – davon mehr als 37 Millionen blinden oder von Sehbehinderung bedrohten Menschen. In CBM geförderten Hospitälern wurden 2015 über 460.000 Star-Operationen durchgeführt. Seit 1966 hat die CBM insgesamt mehr als 12,9 Millionen Graue-Star-Operationen ermöglicht!

Mehr über die Arbeit der CBM: www.cbm.de

 

Die Rettung naht!

So bleibt Augustines einzige Unterhaltung das alte Kofferradio. Und es wird wirklich zu einem wahren Freund: Denn genau dieses Radio bringt eines Tages die Wende in Augustines Leben: Seine Großmutter hört einen Aufruf der Gesundheitsstation, dass alle Kinder und Erwachsenen im Dorf, die krank sind oder eine Behinderung haben, zu einer Sammelstelle kommen sollen, wo sie untersucht werden. Die Familie ergreift sofort die Chance und bringt Augustine zur Untersuchung. Und sie können es kaum fassen, als die Gesundheitshelferin Agnes Nabawauka bei der Augenuntersuchung feststellt, dass Augustine Grauen Star hat und vielleicht geheilt werden kann! Eine einfache Operation, bei der die getrübten Augenlinsen gegen Kunstlinsen ausgetauscht werden, soll Augustine das Augenlicht zurückgeben.

Mit dem Boda-Boda in die Klinik

Voller Erwartung vereinbart die Familie einen Termin in der Augenklinik in Ugandas Hauptstadt Kampala. Endlich ist der große Tag da: Mit dem Motorradtaxi, einem sogenannten »Boda-Boda« (abgeleitet vom englischen Namen »border«=Grenze) geht es den 90 Kilometer weiten Weg in die CBM-geförderte Mengo-Augenklinik. Dort wartet schon Dr. Dan Bwonya, der Augenarzt. Er untersucht Augustines Augen und stellt fest: »Der Junge hat von Geburt an Grauen Star – wenn sich seine Sehfähigkeit noch entwickeln soll, muss er sofort operiert werden. Wenn wir jetzt nichts tun, wird Augustine für den Rest seines Lebens blind bleiben.«

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Schon am nächsten Tag ist die Operation um die Mittagszeit angesetzt. Bei Erwachsenen wird die getrübte Augenlinse mit örtlicher Betäubung ausgetauscht, das dauert in der Regel nicht länger als 20 Minuten. Kinder erhalten jedoch eine Vollnarkose. Nach einer knappen Stunde ist alles überstanden und Augustine hat zwei künstliche Linsen statt der getrübten in den Augen. Am nächsten Tag ist die Verbandsabnahme: Schnell ist klar, dass die Operation gelungen ist. Am Tag darauf hat sich Augustine vollständig erholt und empfängt alle mit einem breiten Lächeln. Ganz alleine läuft er die Treppe zum Untersuchungsraum hoch. Er braucht niemanden mehr, der ihn führt! Mama Annet schnappt vor Überraschung nach Luft und kann es kaum fassen!

Augustine kann endlich sehen!

Auch Dr. Dan ist sehr zufrieden mit dem Resultat. Um einer Entzündung vorzubeugen muss Augustine noch antibiotische Augentropfen nehmen. Bevor er entlassen wird, macht Augustine noch einen Sehtest: »Haus, Ball, Quadrat …« – Augustine erkennt ohne Probleme die Symbole auf der Tafel. Vorher konnte er nur hell und dunkel unterscheiden, jetzt kann er sogar kleine Gegenstände erkennen und gezielt greifen. Mama Annet ist überglücklich – endlich hat Augustine eine lebenswerte Zukunft!

Auf der Heimfahrt – diesmal in einem Auto – schaut Augustine die ganze Zeit begeistert aus dem Fenster und erzählt seiner Mutter, was er sieht: »Autos! Lastwagen! Motorräder!« Zu Hause angekommen wird Augustine erstmal ganz fest von seiner Großmutter gedrückt. Auch sie ist begeistert vom Resultat der OP. Die Familie freut sich, wie sehr die Operation Augustines Leben zum Guten verändert hat: »Augustine kann tatsächlich sehen! Er läuft überall umher, er sieht alle Hindernisse, er stürzt nicht mehr«, berichtet seine Mutter: »Wenn ich ihm sage, er soll einen Löffel für mich aus der Küche holen, macht er das! Das war vor der Operation nicht möglich.«

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Auf in die Schule!

Auch einem Schulbesuch steht jetzt endlich nichts mehr im Wege! Nun, da er seinen Schulweg alleine finden kann, wird Augustine in Kürze die Vorschule besuchen. Die Sozialarbeiterin des CBM-geförderten Rehabilitationszentrums CoRSU hat Augustine schon eine Schreibtafel besorgt, auf der er üben kann. Eine Brille soll sein Sehvermögen noch weiter optimieren. Der Schulbesuch ist wichtig – doch das größte Glück für Augustine ist, dass er nun endlich mit seinen Kameraden toben und Fußballspielen kann! Begeistert jagt er dem Ball hinterher. Endlich ist er nicht mehr allein. Statt der Stimme aus dem Radio hat er nun echte Freunde gefunden! Für Augustine geht mit der erfolgreichen Operation eine lange Leidenszeit zu Ende, doch es gibt noch so viele Kinder und Erwachsene, die blind sind, obwohl man ihnen mit einer einfachen Operation helfen könnte – Sie können helfen!

 

INFO

Eine einfache Operation von ca. 30 Minuten, bei der die getrübte Linse durch eine Kunstlinse ausgetauscht wird, macht einen blinden Menschen wieder sehend!
Eine Operation am Grauen Star kostet 30 Euro bei einem Erwachsenen, 125 Euro bei einem Kind wegen der Vollnarkose.

Bitte helfen Sie mit!
Christoffel-Blindenmission Deutschland e.V.
IBAN: DE46 3702 0500 0000 0020 20
BIC: BFSWDE33XXX
Kennwort: Grauer Star

Mehr Informationen: https://www.cbm.de/unsere-arbeit/was-wir-tun/Grauer-Star-ist-heilbar-448551.html

zum Thema: Gesundheit