Im Alter das Leben in vollen Zügen genießen. © drubig-photo / Fotolia.com
Im Alter das Leben in vollen Zügen genießen

Interview: Über den Nutzen von Fitness-Apps und Gesundheitstrackern

Über den Nutzen von Fitness-Apps und Gesundheitstrackern im Gespräch mit Hermann Bärenfänger.

jetztWIR:
Immer mehr Menschen nutzen elektronische
Angebote, die Daten und Fitness-Aktivitäten einer Person überwachen. Ist das mehr Spielerei oder gesundheitsfördernd?

Hermann Bärenfänger:
Apps sind keine Spielereien, sondern sie zeigen dem Einzelnen genau an, was er an diesem Tag gemacht hat, was gut gelaufen ist, wo noch etwas getan werden muss. Dabei geht es nicht darum, aus einem normalen Menschen einen Marathonläufer zu machen oder ihn zu sportlichen Höchstleistungen zu trainieren, sondern mehr Bewegung in den Alltag einzubauen. Das geht mit Treppensteigen statt Lift fahren oder eine Haltestelle früher aussteigen und den Rest zu Fuß gehen. Wer weiß, dass er am Tag schon seine 10.000 Schritte gelaufen ist, kann sich belohnen – und das liefert die Motivation weiter zu machen. Erfolge müssen also messbar sein. Und je mehr ich über meinen Körper weiß, desto besser kann ich auch auf meine Gesundheit achten.

INTERVIEW
Hermann Bärenfänger
Hermann Bärenfänger

Hermann Bärenfänger ist Pressereferent der Techniker Krankenkasse und zuständig für die Bereiche E-Health und digitale Versorgung.

 

jetztWIR:
Lässt sich das auch medizinisch nachweisen?

Hermann Bärenfänger:
Eine von uns in Auftrag gegebene Studie an der Uniklinik Freiburg hat den Einsatz von Gesundheits- und Versorgungs-Apps untersucht und insbesondere in der Prävention und bei der medizinischen Versorgung von chronisch Kranken einen großen Nutzen nachgewiesen. Mit der Diabetes-Tagebuch-App zum Beispiel kann jeder einfach und schnell seine Blutzuckerwerte und alle wesentlichen Daten dokumentieren. Das gleiche gilt auch für Allergiker oder Menschen, die krankmachendem Stress ausgesetzt sind, für sie gibt es zum Beispiel einen Online-Stresscoach, der auch Verhaltensweisen auswertet.

jetztWIR:
Gerade bei gesundheitlichen Problemen geht es um sensible Daten. Muss der Verbraucher keine Angst vor Missbrauch haben?

Hermann Bärenfänger:
Für den Verbraucher ist es wichtig, sich anzuschauen, wer das Angebot zur Verfügung stellt und aus welchem Grund. Man kann sich im Vorfeld informieren, wo die Daten gespeichert werden und wer der Absender/Empfänger ist. Auf unserer Internetseite gibt es Tipps, nach welchen Kriterien die Geräte ausgewählt werden sollten und welche Funktionen für den Einzelnen wichtig sind. Unsere digitalen Angebote werden über einen externen Dienstleister ausgewertet, damit machen wir als Krankenkasse nichts. Unser Ziel ist es, unsere Mitglieder so lange wie möglich gesund zu erhalten, bzw. wieder gesund zu machen und wenn das mit digitalen Angeboten gut funktioniert, dann machen wir entsprechende Angebote.

jetztWIR:
Wie kann das in 20 Jahren aussehen?

Hermann Bärenfänger:
Ich denke, es wird dann normal sein, die wichtigsten Vitalfunktionen morgens schon automatisch zu tracken: Gewicht, Blutdruck, Urin, die normalen Laborwerte können dann sicherlich leicht und einfach zuhause dokumentiert werden. Das Ganze setzt natürlich viel Eigenverantwortung voraus. Dass ich meine Gesundheit an der Arzttür abgebe, ist Denken von gestern. Jeder Patient/jede Patientin sollte sich vor einem Arzttermin immer gut informieren, dann kann man auch die richtigen Fragen stellen. Die gesetzlichen Krankenkassen unterstützen dabei.

INFO
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Die Techniker Krankenkasse (TK) ist mit 9,5 Millionen Versicherten die größte gesetzliche Krankenkasse in Deutschland. Als Teil ihres Bonusprogramms zahlt sie unter anderem Zuschüsse zu bestimmten Gesundheitsleistungen, zu denen auch Wearables (tragbare Computersysteme) und Fitnesstracker gehören. (Stand 02.03.2016)
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