Bei Anruf: Stille.

Ping-Anrufe bzw. Ping-Calls sind eine der beliebtesten Strategien von Telefonbetrügern. Der Grund: Sie sind denkbar einfach umzusetzen und bringen ahnungslose Opfer schnell um viel Geld. Der Experte für Anruferkennung und Spam-Schutz Thomas Wrobel von Clever Dialer verrät, wie Ping-Calls funktionieren, wie Verbraucher sich schützen und warum nicht hinter jedem dieser Anrufe auch Telefonbetrug lauert.

„Hallo, wer ist dran?“ – So funktionieren Ping-Calls 
Ping-Calls zielen auf einen Rückruf von Verbrauchern ab, meist werden die Telefonate wortlos von der Gegenseite beendet. Teilweise werden diese Anrufe sogar von einem Computer durchgeführt. Die Strategie geht immer noch oft genug auf, denn trotz bekanntem Phänomen rufen Betroffene aus Neugierde oder gar Höflichkeit zurück. Das böse Erwachen passiert dann meist erst mit der nächsten Telefonabrechnung. An den folgenden Anzeichen können Sie die Masche erkennen.

Einmaliges Anklingeln:
Das Telefon klingelt nur kurz und auf dem Display erscheint eine unbekannte Nummer. 

Kein Anklingeln, aber ein verpasster Anruf:
Oft passiert es auch, dass Betroffene überhaupt kein Telefonklingeln wahrnehmen und beim Rückruf einer Betrugsmasche zum Opfer fallen. Das liegt daran, dass Telefonbetrüger schon beim Zustandekommen der Verbindung den Anruf wieder abbrechen, denn so wird erst gar kein Anrufklingelton ausgelöst. Diese Verzögerung sorgt dafür, dass das eigene Telefon lediglich einen verpassten Anruf listet.

Direktes Auflegen am anderen Ende der Leitung:
Der Klassiker ist, dass Telefonbetrüger sichergehen und warten, bis der Angerufene abnimmt. Im nächsten Schritt legt der Anrufer direkt auf und hofft auf einen Rückruf. Wenn dieser erfolgt, versuchen die Spammer das Gespräch in die Länge zu ziehen, da der Anruf den Verbraucher minütlich Geld kostet.  

„0900 hat angerufen“:
Neben den aus TV-Gewinnspielen bekannten Mehrwertdiensten, die beim Rückruf eine feste Gebühr zwischen drei und 14 Cent pro Minute kosten, gibt es auch Rufnummern mit hohen Gebühren. Zu erkennen sind sie an der Vorwahl, Premium-Rufnummern mit “0900” oder Online-Dienste mit “019” fallen beispielsweise in diese Kategorie. Hier legt der Betreiber die Kosten pro Gesprächsminute selbst fest und treibt so die nächste Telefonabrechnung von Verbrauchern gehörig in die Höhe. 

Ausländische Vorwahl – insbesondere fernab der EU:
Eingehende Anrufe aus dem Ausland, also Rufnummern ohne der Vorwahl „0049“ oder „+49“, sind mit großer Vorsicht zu behandeln. Speziell bei Anrufen aus Nicht-EU-Ländern gilt die höchste Spam-Warnstufe. 

Rückruf-Aufforderung:
Auch eine der dubiosen Ping-Call Strategie ist, dass um einen Rückruf gebeten wird. Aus Höflichkeit zurückzurufen ist sicher ein nachvollziehbares Handeln, doch hier sollten Verbraucher unbedingt ein gesundes Misstrauen an den Tag legen. 

Wie sich Verbraucher wehren und warum nicht jeder Ping-Call Telefonbetrug ist
Verbraucher müssen wachsam sein. Erkennen sie die Hinweise für Spam-Anrufe, gilt in allen Fällen: nicht zurückrufen! Ist ein Rückruf schon passiert und auf der Telefonrechnung erscheinen unklare Rechnungsposten, verlangt die Bundesnetzagentur hier eine ausführliche Beweissicherung. Der Anspruch auf Zahlung erhöhter Verbindungskosten kann dann geprüft werden. Übrigens: Nicht jeder Anruf ist ein Hinweis auf Telefonbetrug, Call-Center beispielsweise rufen oft mehrere Personen gleichzeitig an: wer zuerst abhebt, wird angesprochen, der Rest hört nur Stille am anderen Ende der Leitung. Ebenfalls wichtig zu wissen: diese Anrufe sind nicht zwangsläufig dubios, denn viele Verbraucher willigen unwissentlich in die Kontaktaufnahme per Telefon ein. Daher sollten bei z.B. Registrierungen oder Bestellungen die rechtlichen Grundlagen, z.B. AGBs, gründlich zu prüfen.

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