Das Beethovenhaus in Bonn
© Beethovenhaus Bonn

Der Mann mit dem roten Tuch – oder Ein anderes Bild von Beethoven

Ausstellung „BEETHOVEN Welt.Bürger.Musik“ zeichnet ein facettenreiches Bild des Komponisten. Das Beethoven-Haus in Bonn widmet dem berühmtesten Beethoven-Portrait die erste Sonderausstellung im neueröffneten Museum.

Den Kragen hochgestellt, die rote Binde leger um den Hals geknotet, die Haare wild und unbändig – so kennt man Ludwig van Beethoven. Der Maler Joseph Stieler hat den großen Komponisten 1820 so portraitiert und damit das Beethoven-Image in aller Welt geprägt. Dass es aber auch viele andere, bislang wenig bekannte Gesichter des berühmten Musikers gibt, zeigt die Ausstellung „Beethoven. Welt.Bürger.Musik“, die vom 17. Dezember 2019 bis 26. April 2020 in Zusammenarbeit mit dem Beethoven-Haus Bonn in der Bundeskunsthalle Bonn präsentiert wird.

Kleidung als Spiegel der Gesellschaft
Die zentrale Schau im Beethoven-Jubiläumsjahr zeichnet mit mehr als 250 Objekten ein facettenreiches Bild nicht nur von dem weltberühmten Komponisten, sondern auch von dem Menschen hinter den Partituren. Zugleich gibt sie spannende Einblicke in die Zeit, in der er lebte und arbeitete, in Gesellschaft und Politik, in Zeitgeist und Mode. Die Garderobe des 18. und 19. Jahrhunderts spiegelt die sich verändernden gesellschaftlichen und politischen Umstände wider: von der Kleidermode des Rokoko mit engem Korsett und ausladenden Reifröcken über den von antiken Gewändern inspirierten Empire-Stil mit leichten, fließenden Stoffen bis hin zur Kleidermode des Biedermeier mit ihrer Sanduhrsilhouette und weiten Röcken. In der Ausstellung in der Bundeskunsthalle werden die BesucherInnen an ausgewählten Stellen mit Originalkleidung auf die jeweilige Epoche eingestimmt.

Von Anpassung bis Aufbruch
Ob Haarzopf oder Jabot – den ein oder anderen Modetrend hat auch Ludwig van Beethoven mitgemacht. An seinem äußeren Erscheinungsbild und seinem Kleidungsstil kann man aber in erster Linie die persönliche Entwicklung des Komponisten vom angepassten jungen Musiker hin zur selbstbewussten Berühmtheit ablesen. Im Verlauf seines Lebens drückte sich damit auch seine Haltung zu Gesellschaft und Politik aus. So wirkte Beethoven in seiner Jugend noch steif und in Konventionen eingeschnürt: Die erste bekannte Abbildung Beethovens, ein Scherenschnitt vermutlich aus dem Jahr 1786, der in der Ausstellung gezeigt wird, zeigt die durch Zopf und Jabot-Kragen geprägte Silhouette des jungen Musikers – die markanten Merkmale des „Ancien Régime“, der „guten alten Zeit“ vor den revolutionären Umwälzungen. Als Angestellter am Hofe des Kurfürsten musste der junge Beethoven in Dienstuniform mit Kniebundhose, Schnallenschuhen und Seidenstrümpfen zur Arbeit, also zum Musizieren in der Hofkapelle, erscheinen. Dass der aufstrebende Musiker auf der Suche nach einer Festanstellung großen Wert auf ein gepflegtes Äußeres legte, lassen weitere überlieferte Portraits vermuten. Er trug nicht nur die modische Halsbinde, sondern auch zeitweise Koteletten – damals der letzte Schrei. Doch je berühmter Beethoven wurde, desto mehr befreite er sich von gesellschaftlichen oder modischen Vorgaben. Zeitlebens trug er keine Perücke – im Gegensatz etwa zu Joseph Haydn, den man nie ohne sah. Dem zunehmend von Krankheiten gezeichneten Beethoven wurden Aussehen und Kleidung im Alter immer gleichgültiger. In Wien traf man ihn häufig ungepflegt und unrasiert an. Vermutlich 1821/22 wurde Beethoven sogar einmal nach einem langen Spaziergang auf den staubigen Straßen der Wiener Neustadt als Landstreicher festgenommen. Auch in der neuen Dauerausstellung im Beethoven-Haus sind zahlreiche zeitgenössische Beethoven-Bilder zu sehen, die seine persönliche Entwicklung und die Wahrnehmung des Künstlers in seiner Zeit veranschaulichen.

© Beethovenhaus Bonn
Joseph Karl Stieler: Portrait Beethovens mit der Partitur zur Missa Solemnis

Das Bild von Beethoven
Das heute wohl berühmteste Portrait Beethovens aus dem Jahr 1820 wurde von Joseph Stieler (1781–1858) gemalt. Das zerzauste Haar ist durch Bilder, Briefe und Beschreibungen von Zeitgenossen belegt. Ob Beethoven aber das geradezu modisch wirkende rote Halstuch wirklich getragen hat, oder ob Stieler seinem Werk mit diesem markanten Accessoire nur eine stärkere Wirkung verleihen wollte, ist nicht überliefert. Alles, was über die Entstehung des wohl berühmtesten Beethoven-Bildes bekannt ist, können Interessierte in einer weiteren Ausstellung in Bonn erfahren. Mit der Sonderausstellung „In bester Gesellschaft. Joseph Stielers Beethoven-Portrait und seine Geschichte“, die ebenfalls ab dem 17. Dezember 2019 im Beethoven-Haus Bonn zu sehen ist, eröffnet das Beethoven-Haus die erste Ausstellung im neuen Sonderausstellungsbereich des Museums. Sie rückt das wohl bekannteste Objekt in der Sammlung des Beethoven-Hauses in den Mittelpunkt. Dabei wird das berühmte Beethoven-Portrait auch in den Gesamtkontext der Darstellungen bedeutender Persönlichkeiten aus der deutschen Politik, Gesellschaft und Kultur des 19. Jahrhunderts eingeordnet und die facettenreiche Wirkungsgeschichte des Gemäldes thematisiert.

Weitere Informationen: www.beethoven.de

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