Die Porzellankirche
Die Porzellankirche © Alexander Schlotter

Modern, rein, weiß und klar

Buß- und Bettag: Das Erste überträgt den Fernsehgottesdienst aus der weltweit einzigen Porzellankirche

Die Porzellankirche weltweit ist ein gefragter Veranstaltungsort, die Thüringer Bachwochen, der MDR Musiksommer, der Thüringer Orgelsommer und auch verschiedene kleinere Reihen wie die Jungen Meister am Klavier gemeinsam mit der Klavierfabrik Wilh. Steinberg lassen hier ausverkaufte Konzerte stattfinden. Die Gottesdienste an diesem Ort sind voll. Nun findet am 21. November 2018 eine ganz besondere Veranstaltung in der Porzellankirche der Leuchtenburg statt: Die ARD sendet live den Gottesdienst anlässlich des Buß- und Bettages aus der Leuchtenburg.

Der in Los Angeles lebende Architekt Michael J. Brown, ein Schüler des Stararchitekten Daniel Libeskind, hat mit der Porzellankirche einen ganz besonderen Ort geschaffen: Er verwandelte die mittelalterliche Burgkapelle der Leuchtenburg in Deutschlands erste Porzellankirche – modern, rein, weiß und klar.

Die bescheidene Burgkapelle der Leuchtenburg aus dem Mittelalter wurde nach diversen Zwischennutzungen - unter anderem als Gefängniskirche und heimatgeschichtlicher Museumsraum - durch eine elegante Geste wieder in ihrer liturgischen Funktion wahrgenommen. In der Neunutzung der Burg als Porzellan-Erlebniswelt entstand die weltweit erste Porzellankirche. Seit der ökumenischen Weihe im Oktober 2016 steht der Raum für Gottesdienste, Taufen sowie kirchliche Hochzeiten wieder zur Verfügung. Dreißig Porzellanschwerter bilden einen ovalen Vorhang. Sie filtern das Licht und spannen einen symmetrischen Raum im heterogenen Bestand auf. Der Einbau bringt Ruhe und Klarheit. Die Schwerter sind so rotiert, dass sie gezielte Ein- und Ausblicke ermöglichen. Auf den Bänken sitzend, wirkt der Raum geschlossen und fokussiert den Blick auf den Altar. Die Akustik wird mit der Stellung der Lamellen kontrolliert und verbessert. Hinter dem Altar wird ein reflektierendes Band geschaffen, das ein unverstärktes Sprechen erlaubt. Die Porzellanoberflächen an den Innenseiten verleihen Menschlichkeit, die Außenseiten aus poliertem Aluminium entmaterialisieren den Raum und verstärken das Tageslicht. Symmetrie, Vertikalität und Licht schaffen eine besinnliche Atmosphäre, eine Ruhepause um das Überirdische zu vermitteln.

© S. Reuter

Die neue Innenraumgestaltung wurde durch das Büro NAU2 in Zürich und Los Angeles durch Michael J. Brown in Zusammenarbeit mit Sven-Erik Hitzer realisiert und bereits mehrfach prämiert. Die Jury des Thüringer Staatspreises beispielsweise urteilte: „Die Verfasser erzeugen mit ihrem Eingriff in den historischen Raum ein völlig neuartiges Raumerlebnis, das ohne tatsächlichen Raumabschluss auskommt. Vielmehr werden gewohnte Umfassungswände durch vertikale Lamellen aufgelöst. Diese lassen Tageslicht gezielt eintreten, den eigentlichen Raumabschluss jenseits der Lamellen spüren. Die Eingriffe in die denkmalgeschützte Baustruktur bleiben damit auf ein Minimum begrenzt.“

Info
Die Leuchtenburg © Daniel Suppe
Die Leuchtenburg © Daniel Suppe

Leuchtenburg
Dorfstraße 100
07768 Seitenroda

Öffnungszeiten

Sommerzeit (April bis Oktober): täglich 9:00 bis 19:00 Uhr

Winterzeit (November bis März): täglich 10:00 bis 17:00 Uhr (am 24.12. nur bis 14:00 Uhr)

Letzter Einlass 30 Minuten vor Ende der Öffnungszeit

weitere Informationen: www.leuchtenburg.de

zum Thema: Kultur