Poesiealbum
© Museum Abtsküche, Heiligenhaus / Stefanie Kösling

Like you! Freundschaft digital & analog

Was bedeutet uns Freundschaft? Wo und wie finden wir heute Freunde? Wie haben Smartphones und soziale Netzwerke unsere Vorstellungen von Freundschaft verändert? Die revolutionäre Entwicklung der Kommunikationsmittel macht es uns leichter in Kontakt zu bleiben, aber die virtuelle Vernetzung führt vielleicht auch zu Beliebigkeit und Austauschbarkeit. Und wie war das früher?

Die interdisziplinäre Ausstellung Like you! Freundschaft digital & analog lädt vom 27. September 2019 bis 5. Juli 2020 zum großen Freundschaftstest im Museum für Kommunikation Berlin ein. In drei Ausstellungsbereichen begegnen die Besucher unterschiedlichen Facetten von Freundschaft: vom ersten Kennenlernen über die Frage, was Freundschaften stärkt oder belastet bis hin zu dem Punkt, wenn Freundschaften auseinandergehen. Kulturhistorische Objekte, Alltagsdinge, künstlerische Statements und Expertenwissen verbinden sich zu einem abwechslungsreichen, spannenden Parcours. Am Entdeckertisch, auf dem Marktplatz der Freundschaft, mit Zettelpost, E-Buddy, Tamagotchi und dem Roboter AIBO erkunden sie Freundschaft in all ihren Spielarten – und können gemeinsam mit ihren Freunden in der Fotobox ein Erinnerungsfoto schießen.

Freunde finden
Wie beginnt Freundschaft und was bedeutet sie uns? Findet man sie auch in digitalen Netzwerken? Kann daraus mehr werden, vielleicht sogar Liebe? Diese Fragen stehen im Zentrum des ersten Ausstellungsbereichs. Die Geschichte der Freundschaft ist noch nicht geschrieben. Während früher vor allem Philosoph*innen versuchten, den Kern dieser besonderen Beziehung zu durchdenken, widmen sich heute eher Soziologen und Psychologen diesem Phänomen.

Eine große Wand mit prägnanten Zitaten von Platon bis Mark Zuckerberg gibt Aufschluss über Ansprüche, Wünsche und Eigenschaften, die mit wahrer Freundschaft verbunden werden. Am Entdeckertisch können Besucher dann auch ihrer ganz eigenen Geschichte der Freundschaft nachgehen.

Freunde haben
Gestaltet sich Freundschaft heute anders als früher? Kann ein Freundeskreis zur Familie werden? Wo verläuft die Grenze zwischen Freundschaft und Networking? Der zweite Ausstellungsteil widmet sich dem breiten Spektrum gelebter Freundschaft bis ins digitale Zeitalter. Hier begegnen die Besucher berühmten Freundschaften: von Goethe und Schiller über Konrad Adenauer und Dannie Heinemann bis zur deutschen Fußballnationalmannschaft von 1954. Sie verdeutlichen, wie aus Konkurrenten Freunde werden, sie Hilfe in der Not bieten und Teamgeist zum Erfolg führt. Ob nah oder fern, für Freunde ist es wichtig, miteinander in Kontakt zu bleiben. Schon im Mittelalter benutzte man Gesten, Gaben und besondere Erinnerungsstücke als Zeichen der Verbundenheit. Noch wichtiger aber war und ist der Austausch. Lange Zeit war der Brief das beliebteste Mittel, später dann das Telefon. Heute kommunizieren wir über Kurznachrichten und soziale Medien. Verändern die neuen Kommunikationsmittel unsere sozialen Beziehungen?

Bereits im 18. Jahrhunderts pflegte der Halberstädter Dichter Johann Wilhelm Ludwig Gleim Briefwechsel mit rund 500 Zeitgenossen; ihre Porträts versammelte er in seinem „Freundschaftstempel“. Die Künstlerin Tanja Hollander besuchte 200 Jahre später ihre 626 Facebook-Kontakte und stellte sich die Frage, ob es sich dabei wirklich um Freunde handelt. An zahlreichen Beispielen zeigt die Ausstellung, wie Freundschaft im digitalen Raum und im analogen Leben gepflegt wird. Weitere Abschnitte widmen sich der Praxis der Gastfreundschaft in den Weltreligionen, der Willkommenskultur gegenüber Geflüchteten und der Freundschaft als Instrument der Politik – vom inszenierten Bruderkuss bis zur Städtepartnerschaft.

Freunde verlieren
Der dritte Teil der Ausstellung zeigt, wie Menschen den Verlust von Freundschaft überwinden oder auch ohne Freunde leben können. Wenn der Freundeskreis kleiner wird, kann die soziale Isolation Menschen krank oder depressiv machen. Fotografien der Künstlerin Nicole Ahland zeigen verlassene, erinnerungsträchtige Räume und Wohnungen. Ebenfalls fotografisch erhalten die Besucher Einblicke in die Welt des Erwin Hapke, der zurückgezogen in seinem Elternhaus lebte und dort ein Gesamtkunstwerk aus gefalteten Papierwesen entstehen ließ.

Um der Einsamkeit zu entgehen, knüpfen manche Ersatzfreundschaften mit Tieren oder Gegenständen, zu denen sie emotionale Beziehungen aufbauen. In neuester Zeit kommen auch intelligente Systeme und Roboter zum Einsatz, die mit Menschen zunehmend besser interagieren. Kann es in der Zukunft Freundschaften zwischen Mensch und Maschine geben? Eine künstlerische Videoarbeit von Louisa Clement widmet sich diesem Thema. Alternativen bieten innovative kultur- und generationsübergreifende Wohnprojekte und Netzwerke, die soziale Kontakte befördern.

Infobox

Ort
Museum für Kommunikation Berlin
Leipziger Straße 16
10117 Berlin
Telefon 030 202 94 0
www.mfk-berlin.de

Öffnungszeiten
Dienstag 9–20 Uhr
Mittwoch bis Freitag 9–17 Uhr
Sa, So, Feiertag 10–18 Uhr
24., 25. und 31. Dezember geschlossen

Eintritt
6 EUR, ermäßigt 3 EUR

Ermäßigter Eintritt
Studierende und Auszubildende
Teilnehmer an Führungen
Gruppen ab 15 Personen
Berlinpass-Inhaber

Freier Eintritt
Kinder und Jugendliche bis einschließlich 17 Jahre
betreute Schulklassen allgemeinbildender und beruflicher Schulen
freitags von 9–12 Uhr für Gruppen ab 15 Personen
Refugees

zum Thema: Kultur