Torres del Paine
© Horst Engelmann

Chiles unbekannte Nationalparks: Vom Regenwald zur patagonischen Steppe

Auf der Ruta de los parques im Chilenischen Patagonien von Norden nach Süden unterwegs zu den weniger bekannten Nationalparks Pumalín, Queulat, Cerro Castillo und Patagonia.

Torres del Paine, einer der bekanntesten Nationalparks in Patagonien, feiert in diesem Jahr sein 60-jähriges Jubiläum. Aber er ist nur einer von insgesamt 17 Nationalparks, die die Ruta de los parques verbindet. Die Route erstreckt sich vom Nationalpark Alerce Andino nahe Puerto Montt bis zum Kap Horn Nationalpark ganz im Süden auf 2.800 Kilometern durch Patagonien. Auf einer Gesamtfläche von 11,5 Millionen Hektar bietet die 2017 eröffnete Ruta de los parques ein Schutzgebiet für 140 Vogelarten und 46 Säugetierarten.

3.000-jährige Patagonische Zypressen

Auf Trekkingtour durch grünen dichten Wald begeben sich Reisende im Nationalpark Pumalín Douglas Tompkins am Beginn der Ruta de los parques 110 Kilometer südlich von Puerto Montt. Ein Viertel des noch in Chile vorhandenen Baumbestands der Alerce oder auch Patagonischen Zypresse befindet sich in dem Nationalpark, der ursprünglich als Privatpark von der Stiftung Tompkins Conservation eingerichtet wurde und seit 2018 als Nationalpark zugänglich ist. Auf dem leichten, 40-minütigen Wanderweg „Los Alerces“ können Besucher bis zu 3.000 Jahre alte Patagonische Zypressen bestaunen. Der Nationalpark lässt sich auf zwölf verschiedenen Wanderwegen mit einer Länge von insgesamt 57 Kilometern erkunden. Nicht entgehen lassen sollte man sich eine Kajak-Tour auf den Fjorden Comau und Reñihué, den Aufstieg auf den Vulkan Chaitén und den Gletscher am Vulkan Michimahuida sowie die maritime Tierwelt an der Caleta Gonzalo.

Rund um die Fjorde zeigen sich Kormorane, Pinguine und Reiher und in den Wäldern sind neben einheimischen Vogelarten Säugetiere, wie der weltweit kleinste Hirsch Pudu, Pumas oder die scheue Pampaskatze Colocolo beheimatet. Übernachtungsmöglichkeiten bieten verschiedenen Campingplätzen oder Hütten in der Caleta Gonzalo. Der Nationalpark Pumalín Douglas Tompkins ist ganzjährig für Besucher geöffnet.

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Nationalpark Pumalín Douglas Tompkins

Immergrüne Wälder und die „Hängende Gletscherzunge“

Nur rund 190 Kilometer südlich liegt der 1983 gegründete Nationalpark Queulat in der Region Aysén, der ganzjährig geöffnet ist. Charakteristisch sind seine Landschaften aus immergrünen Wäldern und den patagonischen Anden durchzogen von Fjorden und Flüssen sowie die „Hängende Gletscherzunge“ (Ventisquero Colgante), die von der Carretera Austral zu sehen ist. Für Trekkingtouren stehen sieben verschiedene Wanderwege aller Schwierigkeitsgrade zur Verfügung. Besondere Attraktionen des Nationalparks der aus der Sprache des bereits ausgestorbenen indigenen, südchilenischen Volkes Chonos übersetzt „Klang der Wasserfälle“ heißt, sind die Lagunen Los Pumas und Témpanos, der See Risopatrón, der Wasserfall Salto Padre García und natürlich die Gletscherzunge. Für Übernachtungen im Park stehen Campingplätze zur Verfügung und ansonsten bietet die nur zwanzig Kilometer entfernte Gemeinde Puyuhuapi zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten.

© Sernatur
Nationalpark Queulat

Eine der beliebtesten Trekkingtouren Chiles

Weiter geht es in Richtung Süden auf der Ruta 7 bis zum Nationalpark Cerro Castillo 57 Kilometer südlich von Coyhaique. Der Park ist von Laubwäldern geprägt und wird überragt vom beeindruckenden Bergmassiv Cerro Castillo mit einer Höhe von 2.318 Metern. Cerro Castillo verfügt über eine der beliebtesten Wanderstrecken Chiles – den Circuito Cerro Castillo mit einer Länge von 55,4 Kilometern für eine vier- bis fünftägige Tour. Auf der Trekkingtour eröffnen sich dem Besucher spektakuläre Aussichten auf den Cerro Castillo, seine Gletscher und Lagunen Cerro Castillo und Ciguay. Mit etwas Glück sieht man hier einen der scheuen Südandenhirsche Huemul, die sich meist im dichten, mit Patagonischen Zypressen bewachsenen Wald verstecken. Kondore und Maurische Adler umkreisen die Gipfel des Cerro Castillo. Neben Trekking sind nach vorheriger Reservierung Kletter- und Reittouren durch den Nationalpark möglich. Für Übernachtungen bietet der Park drei Schutzhütten, das Refugio Laguna Cerro Castillo, Refugio Río Turbio und Refugio Blanco Chico sowie einen Campingplatz. Der Park ist von Oktober bis April geöffnet und ist auf der Route des Südens ein unverzichtbares Erlebnis.

© Linde Waidhofer
Nationalpark Patagonia

Chiles jüngster Nationalpark

Für seine große Artenvielfalt bekannt ist der erst im Dezember 2018 eröffnete Nationalpark Patagonia in der Region Aysén am Südufer des Sees Lago General Carrera. Geformt vom Fluss Chacabuco prägen riesige Täler und die patagonische Steppe die Landschaft sowie die im Herbst sich rot färbenden Lenga- und Ñirrewälder. Zehn Prozent der restlichen Population der chilenischen Huemules leben im Park, aber auch Pumas, Vizcachas aus der Familie der Chinchillas, Nandus, Gürteltiere, Füchse und zahlreiche einheimische Vogelarten. Lohnenswert sind unter anderem der Besuch des neu eröffneten Museums Museo y Centro de Visitantes en Parque Patagonia, eine Fahrt auf der Panoramastraße X-83 in Richtung Paso Roballos, ein Besuch am Zusammenfluss des Flusses Río Baker mit dem Fluss Chacabuco sowie ein Besuch des Jeinimini-Sees und des Mondtals in Jeinimini. Der ganzjährig geöffnete Nationalpark Parque Patagonia ist gut erreichbar und verfügt über ein breites touristisches Angebot: 112 Kilometer Wanderwege für alle Schwierigkeitsgrade und für Touren bis zu drei Tagen wie der Wanderweg Avilés–Jeinimeni.

Zusätzlich zu Trekking sind im Park Vogelbeobachtungen, Mountainbiking, Fliegenfischen und Rafting möglich. Die Aktivitäten werden vom 1. Oktober bis 30. April angeboten. Übernachten können Besucher im Park auf zahlreichen Campingplätzen und in einer Lodge.

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