Zusslrennen in Prad. © Frieder Blickle / IDM Südtirol
Zusslrennen in Prad

Den Winter austreiben – Mit dem Auto nach Südtirol

Fastnachtszeit, Fasching oder Karneval? Die Zeit, in der der Winter aus- und es toll getrieben wird, hat unterschiedliche Traditionen und Namen. Heidnische Bräuche haben sich im Laufe der Jahrhunderte mit christlicher Symbolik vermischt. Auch in Südtirol stehen Fastnachtsbräuche hoch im Kurs.

Lärmend ziehen Menschen mit Masken durch die Straßen, verzerrte Gesichter die Angst machen. Hexen fegen auf ihren Besen durch die Gassen. Verkleidete Gestalten tragen Glocken oder Peitschen, mit denen sie viel Lärm machen. Viele Fastnachtsbräuche werden in Südtirol noch ganz traditionell begangen und leidenschaftlich gepflegt.

Zusslrennen

Mit dem „Zusslrennen“ in Prad will man Winter und Kälte vertreiben und den Frühling mit einem lärmenden Krawallkonzert aufwecken. Am „Unsinnigen Donnerstag“ ziehen die Zussln – ausschließlich Männer – durch die Straßen, von Kopf bis Fuß weiß gekleidet und geschmückt mit bunten Bändern und Blumen aus Krepppapier. Sie tragen riesengroße Kuhglocken am Bauch – die bis zu 20kg wiegen. Begleitet werden die Zussln von sechs „Schimmeln“, als weiße Pferde verkleidete Burschen, die einen alten Pflug ziehen. Angetrieben wird das tolle Gespann vom Fuhrmann mit seiner „Goaßl“, einer langen Peitsche, die gekonnt durch die Luft geschwungen einen lauten Knall ertönen lässt. Dem Fuhrmann folgt der Sämann, der anstelle des Korns Sägespäne in die Menge wirft, dann schreiten Bauer und Bäuerin, Knecht und Dirn einher und schließlich ein ganz in Lumpen gehülltes ausgelassenes Paar, der „Zoch“ und die „Pfott“.

Proder Maschger

Die Proder Maschger (Prad am Stilfserjoch) ist ein Umzug, der am Faschingssonntag und – dienstag stattfindet; dabei laufen acht Paare in bunten Kostümen – Bauer und Bäuerin, Herr und Frau, Mohr und Mohrin, Styrer und Steyrerin, Tschigeiner und Tschigeinerin, Tuxner und Tuxnerin, Zillertaler und Zillertalerin sowie Zoch und Pfott – begleitet von Muik von Gasthaus zu Gasthaus, um mit den Gästen zu feiern, zu tanzen und zu trinken.

Scheibenschlagen

Ein besonders spektakulärer Brauch ist auch das Scheibenschlagen im Vinschgau, das in diesem Jahr am 14. Februar stattfindet. Am Abend des Fastensonntags trifft sich die Bevölkerung auf einer Höhe zu einem gemeinsamen Gebet. Dabei werden handgefertigte Zirbenscheiben mit einem alten Spruch belegt, einer Person gewidmet und dann ins Tal geschleudert. Die Holzbretter (Scheiben) werden zuvor in einem offenen Feuer zum Glühen gebracht. Je weiter die Scheibe durch die Finsternis fliegt, desto mehr Glück soll sie bringen.

Der Besuch eines traditionellen Festes lohnt sich: Keine Folklore, sondern gelebtes Brauchtum ist in den Dorfgemeinschaften in Südtirol spürbar und Ausdruck von Traditionsbewusstsein, Religiosität und dem Wunsch, Althergebrachtes zu bewahren. Auch zu den kirchlichen Feiertagen - ob Ostern oder Weihnachten - ist das Spektrum an christlichen und heidnischen Bräuchen groß und erlebenswert.

 

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